DABaby

Das etwas andere Baby-Tagebuch

Die Geburt

March 2nd, 2008 by mama

Obwohl nun schon drei Wochen her, will ich dennoch einen Geburtsbericht für die Ewigkeit festhalten, bevor das meiste in meinem Gehirn als unbenutzt aus dem Speicher geputzt wird.

Am Montag, den 11.2. stand ich für 8 Uhr mit primärer sectio (=geplanter Kaiserschnitt) auf dem OP-Plan. Dazu mußte ich schon am Sonntag 19 Uhr in der Uniklinik auf der Matte stehen, die letzten Voruntersuchungen über mich ergehen lassen und dort auch übernachten.

Die Nachtschwester verabschiedete sich mit den Worten: “Morgen abend wenn wir uns wieder sehen, haben Sie ein Kind im Arm.” Wen wundert es: Natürlich konnte ich der Nacht kaum schlafen.

Dann war der große Tag da: Andreas kam wie versprochen pünktlich von zuhause bei mir an und ganz lieb hatte er eine Geburtstagskarte für Seraphin vorbereitet, die ich noch schnell unterschrieb.

Meine Hebamme des Vertrauens (und nicht die Belegschwestern) sollte mich dann für die OP vorbereiten. Nun ja leider gab es da allerdings schon ein kleines Mißverständnis, so dass ich um den Einlauf herumkam *hehe* (was nicht weiter tragisch war, bei Notkaiserschnitten und in vielen anderen Kliniken wird der eh nie gemacht), aber leider auch nicht mehr duschen konnte. Zu allem Überfluss stresste die zickige Oberschwester, dass ich mit allem viel zu spät dran war und ich war schonmal mit den Nerven runter als meine Hebamme mich in meinem Bett in den Kreißsaal rollte.

Im Kreißsaal angekommen mußte durch den Zeitverzug alles ganz schnell gehen, ich bekam Anti-Thrombose-Strümpfe angezogen, ein schickes Krankenshausnachthemd (hinten neckisch offen), eine aufreizende Intimrasur (ohne Herzchen) sowie ein Flasche fies schmeckendes Irgendwas gegen Übelkeit und Magenreflux - leider auch einen Blasenkatheter und damit hörte der Spaß dann auf, denn nun wurde es langsam unangenehm. Es folgte dann noch ein Besuch durch den Narkosearzt, der mir noch einige Gruselgeschichten erzählte und schlußendlich eine Braunüle, einen sog. “Zugang” legte, letzteres war wirklich harmlos und das kannte ich ja nun schon.

Nach soviel Hektik dann die Botschaft meiner Hebamme: Es ist mindestens ein vielleicht zwei Notkaiserschnitte vor mir dran und wir müßten warten bis sich bei der laufenden Geburt zwei Türen weiter geklärt hat, wie es weiter geht. Also nach soviel Zeitdruck am Morgen also warten… meine Nerven und mein *piep* gingen auf Grundeis, eigentlich hatte ich so gar keine Lust mehr auf Kinderkriegen. Immerhin durfte Andreas die ganze Zeit bei mir sein und versuchte mich zu beruhigen.

Es wurde dann gegen 11 Uhr und meine Hebamme brachte endlich die Botschaft, dass zwei Notkaiserschnitte endlich durch waren und nun ich an der Reihe war (das arme OP-Team, denn nach mir kam noch ein Kaiserschnitt…)

Also wurde ich dann in den OP des Kreißsaals gerollt (ich durfte immerhin faul im Bett liegen derweil). Andreas mußte so lange draußen bleiben bis die Narkose gesetzt war, so dass wir uns erstmal verabschieden mußten. Kaum trennte uns eine Tür, begann ich ganz heftig vor Angst und Anspannung zu zittern. Im OP angekommen, wuselten dort lauter grün vermummte fremde Gestalten herum, ich mußte dann aus meinem Bett auf den OP-Tisch steigen, der aussah wie ein Gynäkologen-Stuhl, so dass ich gleich rausplatzte, dass es doch aber bitte keine vaginale Geburt werden sollte.

Die beiden maskierten Frauen, die sich um mich kümmerten, mußten darüber ziemlich lachen. (Ich hatte dabei gar nicht gemerkt, dass das ein Scherz war…) Eine der Frauen war die Anästhesistin, die sich im Verlauf der OP ganz hervorragend um mich kümmerte und echt supernett war. Sie setzte mir erst eine Betäubung (die sich eigentlich ganz harmlos wie Blutabnehmen ertrug) und dann die Rückenmarksnarkose, vor der ich solch eine Angst hatte. Erstaunlicherweise merkte man die wirklich nur als wenn einem jemand mit einem Finger gegen den Rücken drückt, das war soooo harmlos! Aber anstatt erleichtert zu sein, konnte ich nicht aufhören zu zittern. Mir wurden viel merkwürdige Instrumente angelegt, so dass ich verkabelt war wie ein Hochleistungs-LAN. Ständig kamen neue grün vermummte Menschen, die sich als Dies und Das in ihrer Funktion bei mir vorstellten.

Einer davon sagte: “Hallo ich bin’s!” Ich hatte Andreas nicht erkannt! Aber nun war er bei mir und stellte sich zu mir ans Kopfende. Vor meiner Brust war inzwischen ein großes grünes Tuch gespannt. Irgendwann sagte die Anästhesistin, dass sie schon geschnitten hätten und ich merkte wirklich keinen Schmerz. Was ich merkte (worüber ich auch vorher aufgeklärt wurde), dass in meinem Bauch “rumort” wurde. Streng genommen fühlte sich mein Bauch an wie eine leichte Achterbahnfahrt - nur dass die Aussicht nicht so toll war.

Alles soweit easy (zumindest im Rückblick, denn vor Ort zitterte ich wie Espenlaub und hatte eine Schweineangst), mehrfach wurde ich nach meinem Befinden gefragt. Aber dann… dann wurde auf unter meiner Brust so auf meinen Bauch gedrückt, dass mir übel wurde und ich das Gefühl hatte, dass mir die Luft wegbleibt. Ich begann zu würgen und konnte noch ein “Jetzt wird es aber unangenehm…” hervorbringen.
Ich bekam streng den Befehl weiterzuatmen, was sich so leicht anhörte. Das ganze waren sicher nur wenige Sekunden, aber es kam mir endlos vor.

Und dann - 11: 15 Uhr - dann hörte mit einem Mal der Druck auf und ich hörte ein Baby hinter dem grünen Tuch mit voller Kraft schreien! Andreas sagte: “Unser Baby ist da!” Und dann hörte ich den operierenden Professor: “Ein Junge!” Vor Freude habe ich dann angefangen zu weinen, dass die Tränen nur so liefen. Andreas durfte dann zu unserem Seraphin gehen, der an einem Nebentisch untersucht wurde. Die zuständige Kinderärztin kam dann mit der Botschaft, dass unser Baby gesund sei und so fit und rosig, dass sie nun der Hebamme alles weitere überlassen wollte. Endlich kam Andreas mit einem kleinen Bündelchen zu mir. Darin lag ganz warm eingewickelt Seraphin und wir beide betrachteten ihn gemeinsam wie ein achtes Weltwunder. Er war (und ist) so ein schönes Baby! Inzwischen war er ganz ruhig und sein kleines Stupsnäschen atmete ganz ruhig. Ich ekelte mich auch kein bißchen vor der Käseschmiere, die sein Köpfchen noch bedeckte. Überhaupt realisierte ich jetzt, dass nach so langer Zeit der Schwangerschaft der Moment da war, auf den man sich so lange gefreut hatte und der Moment enttäuschte uns nicht: Es war einfach großartig!

Unser Seraphin war geboren! 11.2.2008 um 11:15 Uhr, 3220g schwer, 49 cm lang.

Dann verließen Andreas mit Seraphin und der Hebamme den OP, um in den Nachsorgeraum zu gehen, während ich zugenäht wurde, wovon ich kaum etwas merkte und was länger dauerte als die OP davor. Da ich mich langweilte, betrachtete ich die Decke des OP und die herabhängenden Instrumente und wies dann die nette Anästhesistin darauf hin, dass sie von meinem Vorgänger nicht richtig sauber gemacht hätten: Dort klebten so einige Blutspritzer. Mit einem Grinsen wurde ich dann aufgeklärt, dass es sich um MEIN Blut handelte … *staun*.

Überhaupt versuchte ich während der Op durch einige Scherze meine Angst zu überspielen, ich kann mich allerdings nur noch an einen einzigen erinnern: “Da möchte man die Zeit zurückdrehen und nochmal mit einem selbst über Verhütung sprechen!” Später fragte mich die Anästhesistin, ob das Baby ungeplant war *kicher*, aber ich klärte sie dann auf, dass Seraphin ganz sicher kein Unfall war.

Irgendwann war auch das Nähen fertig und ich wurde vom OP-Tisch mit einer Art “Bahre” auf mein Bett zurück verfrachtet (ich konnte mich brustabwärts nicht bewegen) und durfte endlich in den Nachsorgeraum, wo Andreas mit Seraphin kuschelte und mit ihm sprach. In dem Moment ging mir das Herz auf, so viel Vaterliebe erleben zu dürfen. Endlich bekam ich Seraphin auch zum Kuscheln in den Arm und der Rest der Geschichte fällt dann unter “Erlebnisse nach der Geburt”.

Nur ganz kurz dazu: Wir hatten das Glück, sofort ein Elternzimmer beziehen zu können, so dass Andreas bei uns wohnen und schlafen konnte. Nachdem die Narkose nachließ, kamen die Wundschmerzen (aber zum Glück auch ein heilsamer Schmerztropf), aber die Schmerzen gingen auch irgendwann vorbei. Um 20 Uhr mußte ich das erste Mal wieder aufstehen und es funktionierte auch. Montag und auch noch der Dienstag waren schmerzmäßig nicht so toll, aber schon am Dienstag morgen wurde der Katheter enfernt und ich stand für jeden Toilettengang auf. Mittwoch durfte ich duschen und am Samstag wurden wir aus der Klinik entlassen, ich schaffte auf Anhieb alle Treppen zu unserer Wohnung - und zwar schneller als am Ende der Schwangerschaft!

Geschafft!

One Response

  1. Timo

    hui…
    (mit leicht genässtem Auge sitze ich vor dem Schirm.) Danke für den aufregenden Bericht.
    Du schreibst echt gut!

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